Lebensversicherung für Selbständige: Das musst du wissen
Lebensversicherung für Selbständige: Warum sie besonders wichtig ist
Selbständige und Freiberufler stehen bei der finanziellen Absicherung vor besonderen Herausforderungen. Anders als Angestellte verfügen sie über kein automatisches Sicherheitsnetz durch den Arbeitgeber. Kein Arbeitgeber zahlt im Todesfall eine Betriebsrente oder unterstützt die Hinterbliebenen. Auch die gesetzliche Absicherung ist für viele Selbständige lückenhaft, da sie häufig nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und somit ihre Angehörigen keinen Anspruch auf Hinterbliebenenrente haben.
Gleichzeitig sind die finanziellen Abhängigkeiten bei Selbständigen oft besonders komplex. Neben der Familie hängen möglicherweise auch Geschäftspartner, Mitarbeiter und laufende Geschäftsverpflichtungen am Leben des Unternehmers. Ein unerwarteter Todesfall kann nicht nur die Familie, sondern ein ganzes Unternehmen in die Krise stürzen. Die Risikolebensversicherung ist daher für Selbständige kein Luxus, sondern eine existenzielle Notwendigkeit.
In diesem Artikel beleuchten wir alle Aspekte der Lebensversicherung, die für Selbständige besonders relevant sind: von der privaten Hinterbliebenenabsicherung über die Keyman-Versicherung für Geschäftspartner bis hin zu steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten über Rürup und die geschickte Kombination mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung.
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Keine gesetzliche Absicherung: Die Versorgungslücke
Viele Selbständige sind sich nicht bewusst, wie groß ihre Versorgungslücke tatsächlich ist. Wer nicht freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt oder über ein Versorgungswerk abgesichert ist, hinterlässt seinen Angehörigen im Todesfall null Euro an Hinterbliebenenrente. Keine Witwenrente, keine Waisenrente, nichts. Die Familie steht von einem Tag auf den anderen ohne jedes Einkommen da.
Auch wer früher als Angestellter in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, sollte sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Die Ansprüche aus wenigen Jahren Anstellung sind meist so gering, dass sie für eine angemessene Hinterbliebenenversorgung bei Weitem nicht ausreichen. Eine Witwenrente von 200 oder 300 Euro monatlich hilft der Familie kaum, die laufenden Kosten zu decken.
Hinzu kommt, dass Selbständige häufig ein schwankendes Einkommen haben. Gute Jahre wechseln sich mit mageren Jahren ab, und Rücklagen werden oft ins Geschäft reinvestiert statt auf die hohe Kante gelegt. Wenn dann der Worst Case eintritt, ist häufig nicht genug liquides Vermögen vorhanden, um die Familie langfristig abzusichern. Die Risikolebensversicherung schafft hier die nötige Planungssicherheit zu überschaubaren Kosten.
Keyman-Versicherung: Schutz für das Unternehmen
Eine besondere Form der Risikolebensversicherung für Selbständige ist die Keyman-Versicherung, auch Schlüsselperson-Versicherung genannt. Sie sichert das Unternehmen für den Fall ab, dass eine für den Geschäftsbetrieb entscheidende Person – typischerweise der Inhaber oder Geschäftsführer – stirbt. Die Versicherungssumme fließt in diesem Fall nicht an die Hinterbliebenen, sondern an das Unternehmen selbst.
Der Sinn dahinter: Wenn der Chef stirbt, entstehen dem Unternehmen erhebliche Kosten. Ein Nachfolger muss gefunden und eingearbeitet werden, laufende Projekte geraten ins Stocken, Kunden springen möglicherweise ab. Die Keyman-Versicherung stellt sicher, dass das Unternehmen diese Übergangsphase finanziell übersteht und nicht wegen Liquiditätsproblemen aufgeben muss. Das schützt indirekt auch die Arbeitsplätze der Mitarbeiter.
Bei Personengesellschaften mit mehreren Partnern ist eine gegenseitige Absicherung besonders wichtig. Typische Szenarien: Partner A und Partner B schließen jeweils eine Risikolebensversicherung ab, bei der der andere Partner als Begünstigter eingetragen ist. Stirbt ein Partner, kann der andere mit der Versicherungssumme den Unternehmensanteil des Verstorbenen von den Erben aufkaufen und das Unternehmen fortführen. Ohne eine solche Regelung kann es zu jahrelangen Erbstreitigkeiten kommen, die das Unternehmen lähmen. Einen Tarifvergleich für Keyman-Versicherungen findest du in unserer Übersicht.
BU und Risikoleben: Die perfekte Kombination
Für Selbständige empfiehlt sich häufig die Kombination einer Risikolebensversicherung mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Denn das Risiko, berufsunfähig zu werden, ist statistisch deutlich höher als das Risiko, während des Arbeitslebens zu sterben. Rund jeder vierte Arbeitnehmer wird im Laufe seines Berufslebens berufsunfähig – bei Selbständigen mit körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten liegt die Quote sogar noch höher.
Manche Versicherer bieten Kombi-Tarife an, bei denen Risikolebensversicherung und BU in einem Vertrag gebündelt sind. Das kann Verwaltungsvorteile haben und manchmal etwas günstiger sein als zwei separate Verträge. Allerdings hat die Kombination auch Nachteile: Die Flexibilität ist eingeschränkt, und wenn du einen Baustein kündigen willst, musst du oft den gesamten Vertrag anpassen. Die meisten Experten empfehlen daher zwei separate Verträge, die individuell angepasst werden können.
Besonders wichtig für Selbständige: Die BU-Versicherung sollte eine abstrakte Verweisung ausschließen. Das bedeutet, der Versicherer kann dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch noch ausüben könntest. Ein selbständiger Tischlermeister soll nicht gezwungen werden, als Pförtner zu arbeiten. Bei der Risikolebensversicherung spielt die berufliche Tätigkeit hingegen vor allem bei der Beitragskalkulation eine Rolle – körperlich anspruchsvolle Berufe zahlen tendenziell mehr.
Steuervorteile für Selbständige: Rürup-Integration
Selbständige können die Beiträge für eine Risikolebensversicherung grundsätzlich als Vorsorgeaufwendungen steuerlich absetzen. Allerdings ist der Abzug auf die Höchstbeträge der sonstigen Vorsorgeaufwendungen begrenzt, die bei den meisten Selbständigen bereits durch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ausgeschöpft sind. In der Praxis profitieren Selbständige daher nur selten von einem direkten Steuerabzug der Risikolebensversicherungsbeiträge.
Eine interessante Alternative bietet die Integration in einen Rürup-Vertrag (Basisrente). Rürup-Beiträge sind bis zu einem Höchstbetrag von derzeit rund 27.500 Euro für Alleinstehende und 55.000 Euro für Verheiratete steuerlich absetzbar. Manche Rürup-Anbieter ermöglichen es, eine Zusatzversicherung für den Todesfallschutz in den Rürup-Vertrag einzuschließen. Der Beitrag für diese Zusatzversicherung wird dann zusammen mit dem Rürup-Beitrag steuerlich berücksichtigt.
Allerdings gibt es bei der Rürup-Integration auch Nachteile: Die Hinterbliebenenleistung aus dem Rürup-Vertrag kann nur als Rente, nicht als Einmalzahlung ausgezahlt werden. Zudem sind die Rentenzahlungen voll steuerpflichtig. Für manche Familien ist eine einmalige Kapitalzahlung aus einer separaten Risikolebensversicherung daher praktikabler. Die steuerfreie Auszahlung einer normalen Risikolebensversicherung kann je nach Steuersituation attraktiver sein als der Steuervorteil bei der Einzahlung über Rürup. Ein Steuerberater kann hier individuell rechnen, was sich mehr lohnt.
Praktische Tipps: Die richtige Absicherung für Selbständige
Die optimale Versicherungssumme für Selbständige ist in der Regel höher als für Angestellte, da die gesetzliche Absicherung fehlt. Die Faustformel von 3 bis 5 Mal dem Jahreseinkommen sollte als absolutes Minimum betrachtet werden. Besser ist es, den tatsächlichen Bedarf individuell zu ermitteln: Wie hoch sind die monatlichen Fixkosten der Familie? Gibt es Schulden oder Immobilienkredite? Wie lange müsste die Familie überbrücken, bis alternative Einkommensquellen erschlossen sind?
Für die Laufzeit gilt: Mindestens bis zum geplanten Ruhestand. Da Selbständige oft kein festes Rentenalter haben und häufig länger arbeiten als Angestellte, sollte die Laufzeit großzügig bemessen werden. Eine Versicherung bis zum 67. oder sogar 70. Lebensjahr ist sinnvoll. Bedenke auch, dass eine spätere Verlängerung in der Regel teurer ist als ein von Anfang an längerer Vertrag.
Noch ein wichtiger Aspekt: Als Selbständiger solltest du regelmäßig überprüfen, ob deine Versicherungssumme noch zur aktuellen Situation passt. Wenn dein Unternehmen wächst, steigen in der Regel auch die finanziellen Verpflichtungen und der Absicherungsbedarf. Die meisten Versicherer bieten eine Nachversicherungsgarantie an, mit der du die Summe ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen kannst – das solltest du bei Vertragsabschluss unbedingt vereinbaren und bei Bedarf nutzen.
FAQ: Häufige Fragen für Selbständige
Kann ich die Risikolebensversicherung als Betriebsausgabe absetzen?
Eine Risikolebensversicherung, die die Familie absichert, ist eine private Vorsorgeaufwendung und keine Betriebsausgabe. Anders sieht es bei der Keyman-Versicherung aus: Wenn das Unternehmen als Versicherungsnehmer und Begünstigter eingetragen ist und die Versicherung nachweislich betrieblichen Zwecken dient, können die Beiträge als Betriebsausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Die Auszahlung ist dann allerdings als Betriebseinnahme steuerpflichtig.
Brauche ich als Einzelunternehmer ohne Mitarbeiter eine Keyman-Versicherung?
In der Regel nicht. Die Keyman-Versicherung macht vor allem dann Sinn, wenn das Unternehmen auch ohne den Inhaber fortgeführt werden soll – etwa weil Geschäftspartner, Mitarbeiter oder langfristige Kundenverträge existieren. Als Einzelunternehmer ohne Mitarbeiter endet das Geschäft mit deinem Tod ohnehin. Konzentriere dich in diesem Fall auf eine ausreichende private Risikolebensversicherung für deine Familie.
Was passiert mit meiner Risikolebensversicherung, wenn ich in eine GmbH wechsle?
Dein bestehender privater Vertrag bleibt unverändert bestehen. Du kannst ihn als private Vorsorge weiterlaufen lassen. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, über die GmbH eine Keyman-Versicherung abzuschließen. Dabei ist die GmbH Versicherungsnehmer und die Beiträge werden als Betriebsausgabe gebucht. Wichtig: Lass dich steuerlich beraten, denn die Kombination aus privater und betrieblicher Absicherung bietet Optimierungspotenzial, birgt aber auch steuerliche Fallstricke.
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